Mittwoch, 2. Juni 2010

Joachim Gauck - Ein Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten

Mit dem sich nun abzeichnenden parteipolitische Geschacher über die Nachfolge Köhlers zöge die Koalition die falschen Lehren aus dem Rücktritt des ex-Präsidenten. Dieser war nicht zuletzt daher deutlich populärer als diejenigen, die nun verbunden mit allerlei verschränkten Personaldeals über seine Nachfolge verfügen wollen, da er eben solche unwürdigen Praktiken des Parteienstaates kritisiert hatte.

Das Präsidentenamt steht keiner Partei oder Regierungskoalition zu. Vielmehr sollte der Präsident eine allseits und über Parteigrenzen hinweg geachtete Persönlichkeit mit hoher moralischer Autorität sein. Im Idealfall also niemand, dessen politisches Handeln große Polarisierungen erzeugt hat oder der für seine Partei Geldkoffer von Waffenhändlern entgegen genommen hat. Der Kandidat sollte kein Appartschnik sein, niemand der, der Regierung einen Gefallen schuldet. Eine solche Persönlichkeit kann nicht aus dem Hut gezaubert werden, aber unser Volk ist doch reicher an Charakteren als die traurige Regierung und die noch immer erodierende Opposition uns suggerieren möchten.

Joachim Gauck wäre ein formidabler Kandidat und ein sicherlich ausgezeichneter Bundespräsident. Gauck ist ein glänzender und fesselnder Redner, er ist von messerscharfer analytischer Klarheit und strahlt hohe moralische Autorität aus. Doch Gauck ist mehr: Friedensaktivist, Dissident, Historiker, Volkspädagoge und Widerständler. Erstmals könnte in Deutschland ein demokratischer Revolutionär das höchste Staatsamt erreichen. Allein das rechtfertigte bereits eine Nominierung.

Zweifel an der Eignung des Kandidaten Gauck sind unangebracht. Selbst harte Kritiker müssten sich bescheiden lassen, dass der Pfarrer Gauck sich - im Gegensatz zu den teils mit dem SED-Staat kollaborierenden Konsistorien an der Spitze seiner Kirche - nicht einmal vor der DDR-Diktatur beugte und auch nicht vor der Stasi zurückwich. Gauck ist nie davongelaufen. Ein Mann, der diesem totalitären Druck widerstanden hat, kann über die übliche bundesrepublikanische Häme aus Medien und Parteien vermutlich nur schmunzeln.