Mittwoch, 9. Juni 2010

Das Kandidatendilemma der Linken

Nun ist es also keine der beiden Margots geworden. Stattdessen nominierte die LINKE etwas verlegen die systemkonforme Westlinke MdB Lukrezia Jochimsen als Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten. Jochimsen ist neben Klaus Ernst eine der ganz wenigen hochkarätigen LINKE-Funktionäre aus der alten „BRD“, die weder freudig an die Stasi berichteten (wie MdB D. Dehm) noch dem härtesten linksextremistischen Bewegungsumfeld (MdB U. Jelpke) zuzuordnen sind.

„Luc“ Jochimsen ist solides West-Establishment und zum Entsetzen vieler Linker steht sie auch noch dazu. Konsequenterweise nahm die Journalistin im Jahre 2001 sogar den hessischen Verdienstorden aus der Hand Roland Kochs an. Wie unsäglich lahm muss dieser Vorschlag also gegen die einst so überraschenden und provokanten Personalcoups Gysis erscheinen- genannt seien Tatort-Kommissar Peter Sodann oder Schriftsteller Stefan Heym.

Tatsächlich belegt die Benennung von Jochimsen eine geradezu hilflose Verunsicherung der LINKEN-Spitze über die Nominierung von Joachim Gauck. Gysi und Lafontaine stecken in einem durch Aktionismus nur schwer auflösbaren Dilemma.

Auf der einen Seite schreit insbesondere die alternde Parteibasis im Osten ob der ostentativen Demütigung durch „Spezialdemokraten“ und „Oliv-Grüne“ offen nach Rache. Doch die naheliegende Idee, Gauck einen SED-Traditionalisten oder gar IM-Belasteten entgegenzustellen, würde die vermeintliche Koalitionsfähigkeit der Linkspartei endgültig ruinieren. Doch allein der Gedanke, die Zähne zusammenzubeißen und die Wahl von Pfarrer Gauck hinzunehmen, wäre nicht vermittelbar. Dies würde die Partei unweigerlich zerreißen.

Politprofi Lafontaine weiß: Der Situation ist mit Orginalität nicht beizukommen, sie muss – möglichst geräuschlos- ertragen werden. Also übt sich die LINKE in Schadensbegrenzung und langweilt ihre Parteibasis durch die Nominierung von Jochimsen beinahe zu Tode. Aus Sicht der LINKEN wohl kleinste aller Übel. Wer sich an die triste Langeweile der real existierenden DDR erinnert, kann sich vorstellen, dass die Partei zumindest diesen Zustand diszipliniert hinnehmen wird.