Dienstag, 22. Juni 2010

Christopher Street Day

Am Samstag feierte die deutsche Hauptstadt wieder einmal den Christopher Street Day. Der „CSD“ gilt im toleranten Berlin längst nicht mehr als Skandalon. Vielmehr gehört der farbenfrohe Umzug mittlerweile fest zum kanonischen Partykalender Berlins. Und doch ist diese Veranstaltung nach wie vor eine zutiefst politische: In zahlreichen Ländern der Welt werden Homo- und Bisexuelle mit Gefängnis oder gar der Todesstrafe bedroht.

Auch in Deutschland sind Diskriminierungen an der Tagesordnung und selbst gewalttätige Übergriffe geschehen. Letzteres ist selbst in Berlin noch möglich, wie jüngst durch einen Angriff in Treptow traurig belegt. Trotz aller Fortschritte bestehen in unserem Lande auch gesetzliche Diskriminierungen Homosexueller fort - unter anderem beim Adoptionsrecht. Diesen Anachronismus gilt es numehr endlich zu beseitigen. Die Bundesjustizministerin hat einen diesbezüglichen Vorstoß gewagt. Die Koalition wird ihre faktische geselschaftspolitische Ausrichtung nicht zuletzt an dieser Frage prüfen lassen müssen.

Ohne Zweifel wurde viel erreicht. Doch wie tief die gesellschaftlichen Ressentiments sitzen, zeigt ein trauriges Beispiel gesellschaftlicher Diskriminierung aus Bayern, auf den mich Leser meiner Facebook-Kolumne aufmerksam machten. So ist beim Bayerischen Roten Kreuz - BRK vor jeder Blutspende ein verbindlicher Fragebogen auszufüllen, der neben Fragen zur Krankengeschichte etc. auch Fragen über häufigen Kontakt zu Prostituierten oder Homosexuellen (man beachte die implizite Gleichsetzung) enthält. Beantwortet man die Frage zum homosexuellen Kontakten mit Ja, ist eine Blutspende nicht mehr möglich. Da man den Bogen auch unterschreiben muss und die Angaben rechtsverbindlich sind, könnte man als Homosexueller nur durch falsche Angaben weiterhin Blutspenden (vgl. ein aktuelles Interview zu diesem Thema vom 14. Juni 2010 im Deutschlandradio: http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/1203024/).

Es bleibt viel zu tun!