Donnerstag, 29. April 2010

Mixa und die CSU

Der Augsburger Mixa wie auch sein Spindoctor Dr. Dirk Hermann Voß sind nach einer unwürdigen Phase des öffentlichen Leugnens und Abstreitens endlich abgetreten. Das ist eine gute Nachricht - nicht zuletzt auch für die katholische Kirche.

Die Schweigespirale scheint durchbrochen. Stück für Stück offenbart sich nun das bizarre System der Misshandlung von Schutzbefohlenen, der Einschüchterung und Gängelung Andersdenkender, der Bespitzelung von Priestern und der unappetitlichen Machtverquickung, das im bigotten Reich des prügelnden Geistlichen herrschte.

Es liegt nahe, dass die systematische Misshandlung von Kindern und auch die notorische Korruption im Bistum Augsburg nur deshalb solange Bestand haben konnte, da die in Augsburgs mächtige katholische Kirche und ihr Bischof für Politik, Presse und Justiz im wahrsten Sinne des Wortes als sakrosankt galten. Um so erstaunlicher scheint es, dass in der überbordenden Berichterstattung der letzten Tage die Einbindung Mixas in den Machtapparat der bayerischen CSU und deren Rolle in der Affäre bisher kaum beleuchtet wurden.

Das ist bemerkenswert, denn Mixa genoss In der gewissen Kreisen der CSU Heldenstatus. Er goutierte und prägte die rückwärtsgewandten gesellschaftspolitischen Vorstellungen der Partei und ordnete sie in einen breiten politischen Kulturkampf ein. Mixa wurde schnell zum klerikalen Gesicht der fundamentalistischen Katholiken in der CSU, wobei ihm insbesondere Adlatus Voß nach Kräften sekundierte. Insbesondere in der ultrakonservativen und stark katholisch geprägten Paneuropaunion aus dem direkten Vorfeld der CSU engagierten sich beide aktiv. Voß ist Landesvorsitzender der Paneuropaunion Bayern. Mixa war gern geladener Gast auf Veranstaltungen, welche die Teilnehmer mit dem rechten Geist erfüllen sollten gegen den Kulturrelativismus der Roten und Liberalen, der Städter, der Muslime, der Homosexuellen.

Auch Mixa profitierte von der Kooperation. Aus der CSU erfuhr er Stärkung, Rückendeckung und - so lassen die Angst der Zeugen und das lange Schweigen vermuten - wohl auch Schutz. Die komplexe Beziehung zwischen Mixas Bistum und der Staatspartei umfassend aufzuklären, steht noch aus. Eines kann aber bereits heute festgestellt werden: Die Versäumnisse und Sünden der katholischen Kirche in Bayern sind auch die der bayerischen Politik. Diese unseligen und intransparenten Verbindungen zu lösen, könnte für beide Institutionen existenzentscheidend werden.