Mittwoch, 17. März 2010

Hans-Ulrich Klose wird neuer Koordinator für die deutsch-amerikanischen Beziehungen

Der Hamburger Sozialdemokrat Hans-Ulrich Klose wurde vom Bundesaussenminister zum Koordinator für die deutsch-amerikanischen Beziehungen ernannt. Mit dieser überparteilichen Personalentscheidung hat Herr Westerwelle eine sehr glückliche Hand unter Beweis gestellt und unserem Land einen grossen Dienst erwiesen.

Herr Klose ist heute einer der letzten bekennenden Transatlantiker - nicht allein in seiner Partei. Herr Klose verfügt über ein hervorragendes transatlantisches Netzwerk, das nahezu alle bedeutenden Entscheidungsträger der US-Administration und politischen Denker der internationalen Beziehungen aus den letzten 30 Jahren umfasst.

Herr Klose gilt als hochintegerer und analytischer Intellektueller. Zudem ist Klose ein hanseatischer Gentleman vom Scheitel bis zur Sohle mit geschliffener Sprache und untadeligen Manieren. Geht es um Fragen des transatlantischen Zusammenhalts und des durchaus kontroversen Dialoges zwischen den Nato-Partnern lässt sich Klose zudem nicht durch das enge Korsett der Partei- und Fraktion einengen.

So hatte der Autor dieser Zeilen das Vergnügen im Auftrag von Baron Guttenberg gemeinsam mit Herrn Klose für die FAZ eine Position zum Afghanistan-Einsatz zu erstellen. Die ernste und konzentrierte gleichwohl partnerschaftliche Arbeit mit Herrn Klose für das sogenannte „Klose-Guttenberg-Papier“ zählt zu den schönsten Erinnerungen meiner Berliner Zeit. Mittels des Papiers legten die Autoren den Finger in die offene Wunde der weithin unerklärten deutschen Afghanistan-Politik und zeigten Widersprüche der Regierungspolitik auf.

Der gemeinsam ausgearbeitete Namensbeitrag wurde am Freitag, den 29. Juni 2007 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung veröffentlicht und sorgte für einige Furore in beiden Fraktionen und den angeschlossenen Ministerien. Diese beeilten sich, ihre Vordenker einzufangen, die sich den Denkverboten der Fraktionsdisziplin nicht unterwerfen wollten. Indessen: Die beiden Autoren revozierten sich nicht.

Der Beitrag war zweifellos ein Schritt ins Freie. Im Nachhinein wird sichtbar, welche Denkblockaden durch den Beitrag aufgelöst wurden. Die Mängel des Afghanistan-Einsatzes wurden damals schonungslos benannt. Dementsprechend konnte nach der Publikation des Beitrages keiner der beiden Autoren zum damaligen Zeitpunkt damit rechnen, von den Regierungsparteien noch für höhere Aufgaben berücksichtigt zu werden. Der neue Koordinator für die deutsch-amerikanischen Beziehungen und der heutige Bundesverteidigungsminister mögen sich heute an diese Episode erinnern.


http://www.faz.net/s/RubDDBDABB9457A437BAA85A49C26FB23A0/Doc~EFFA386B196C042B6AFA47E7C0D6A5DD1~ATpl~Ecommon~Scontent.html

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,491256,00.html