Donnerstag, 14. Januar 2010

Wen interessiert Haiti?

Auf Haiti spielt sich eine humanitäre Katastrophe ab, die in ihren schrecklichen Auswirkungen an die Dimensionen des Tsunami von 2004 heranreicht. Man befürchtet inzwischen bis zu 100.000 Toten.

Doch das politische Deutschland schweigt. Die Parteien lecken ihre eigenen Wunden, sorgen sich um Umfrageergebnisse und Steuerdiskussionen. Inmitten der grössten Wirtschaftskrise seit 1929 scheint sich das Mitleid der politischen Klasse Deutschlands mit der Dritten Welt gänzlich verbraucht zu haben.

Man muss nicht grenzenlos zynisch sein, um zu bemerken, dass das Schicksal der - mehrheitlich schwarzen und mehrheitlich bitterarmen - Haitianer inmitten der recht engagierten Diskussionen über Hartz IV und Mehrwertsteuersenkungen für Hotels niemand zu interessieren scheint.

Wie muss man sich heute morgen die Kommunikationslage in den Parteizentralen und Ministerien in Berlin und München wohl vorstellen?: Gab es tote Touristen? Deutsche? Nein? O.K., weiter im Text.

Bisher hatte einzig BM Westerwelle überhaupt etwas substanzielles zu Haiti zu sagen. Eine laute und entschiedene Stimme, die nicht nur mit pflichtschuldiger Betroffenheit, sondern mit humanitären Lösungsansätzen medial durchdringt, wäre aber zu begrüßen!

Wo sind die selbsternannten Politiker der Weltgemeinschaft, die Deutschland in Wahlkampfzeiten scharenweise produziert?