Freitag, 24. April 2009

Pro Reli - Pro Libertate

Die heftige Berliner Diskusssion um die Wahlfreiheit zwischen Religions- und Ethikunterricht wird zusehens mit verwirrenden und intellektuell bewusst verkürzten "Wahlkampf-Termini" geführt.

Insbesondere von Seiten der SED-Nachfolgepartei Die Linke wird immer lauter der Schutz der Freiheit (sic!) vor dem „Absolutheitsanspruch“ monotheistischer Weltreligionen eingefordert. Allein diese Dreistigkeit im Diskurs ist knapp 20 Jahre nach den letzten Verhaftungen durch die Stasi doch einigermaßen kurios.
Dass ein solcher vermeintlicher theologischer Absolutheitsanspruch in Europa von den Amtskirchen seit Generationen nicht mehr erhoben wird, sondern lediglich in Form eines spirituellen Wahrheitsanspruchs existiert, der durchaus neben UND mit der Wahrheit anderer Glaubensbekenntnisse koexistieren kann, gehört für die Einwohner der sicherlich multikulturellsten deutschen Stadt seither und bis heute zum Alltagswissen.

Zum historischen Erinnerungsschatz der Berliner gehört es, dass die geistige und politische Freiheit spätestens seit Friedrich dem Großen nicht mehr durch Vertreter herkömmlicher Religionen bedroht wurde.
Ganz im Gegensatz dazu haben aber die politischen Religionen des NS-Staates und des Kommunismus die Freiheit des Denkens und Handelns in jeder Hinsicht einschränken wollen. Eine entsprechende schulische Indoktrination war hierfür bis 1989 ein probates Herrschaftsmittel.

In der so genannten DDR boten (und dies ist durchaus dialektisch zu nennen) allein die Kirchen Rückzugswinkel für die Werte der Aufklärung und für alternatives von der staatlich-totalitären Norm abweichendes Denken.

Es ist auch daher nur schwer einzusehen, dass gerade in Berlin (wo selbst Spitzenkader regierenden Linken immer noch den Schießbefehl leugnen, das Existenzrecht Israels anzweifeln und Stasi-Opfer als Kriminelle verhöhnen, die man eben entsprechend hart angefasst hätte) ausschließlich staatliche Stellen die abschließende Deutung von Werten monopolisieren sollen.

Auch wenn man - wie der Autor - jedem Lehrer oder Schulsenator guten Willen unterstellen wolle, muss man nicht Karl Popper gelesen zu haben, um zu erkennen, dass diese Lehrer ebensowenig wie alle anderen Menschen diese Vermittlungsaufgabe in absoluter Objektivität wahrnehmen können. In diesem Sinne ist auch die postulierte Neutralität wie Objektivität der Lehrer in Glaubensdingen eine Farce. Wie jeder Mensch so transportieren auch die staatlichen Lehrer in Berlin ziemlich ungebremst die ethischen Präferenzen und Wertvorstellungen Ihres persönlichen oder vielmehr ihres sozialen und politischen Umfeldes. Eben dies scheint von Senat auch weiterhin gewünscht zu werden.