Freitag, 6. März 2009

Über Managergehälter und Freudentänze bei der FDP

Nun ist es also soweit. Was viele in der CSU seit langem befürchtet und viele in der FDP - schätzungweise mit einer gewissen freudigen Nervosität - erwartet hatten, ist nun endlich eingetreten:

Arbeitsteilig zu den Rechtsaußenpositionen der üblichen Verdächtigen in der CSU greift Parteichef Horst Seehofer selbst tief in die Mottenkiste des Linkspopulismus.

Er stellt sich hinter eine alte Forderung von SPD und Linken beim Dauerbrenner Managergehälter. Versuche der CSU, wieder ordnungspolitisches Profil zurückzugewinnen, werden hierdurch nicht unwesentlich beschädigt.

Offenbar glaubt Seehofer tatsächlich durch seine populären Vorstöße, das soziale Profil seiner Partei zu schärfen. Tatsächlich schafft er aber ein Höchstmaß an Unschärfe. Die altbackene Forderung nach Bestrafung der Manager ist weder neu, noch authentisch für den industrienahen Großspendenempfänger CSU.

Seehofer mag seinen Einwurf für eine glänzende taktische Idee halten und natürlich johlen die Stammtische begeistert. Aber wer soll einer Partei, die über Jahre hinweg Herrn Roland Berger und Herrn Heinrich v. Pierer als verlässliche Stichwortgeber hatte, solch eine Position denn bitte abkaufen?

Globalisierungsgegner und Elitenkritiker werden nach wie vor Linke und gegebenenfalls SPD wählen und nicht ganz ohne Berechtigung fragen, warum die CSU erst jetzt so einsichtig geworden ist, wie Oskar Lafontaine bereits 1999 war.
Zu gewinnen gab es für die CSU auf diesem Feld also sicher nichts. Die Idee Seehofers dürfte die Union vielmehr einige schmerzhafte Prozentpunkte sowie das Vertrauen einiger produktiven Stützen der Gesellschaft kosten.

Zudem wird - nicht unbewußt - ein weiterer für alle sichtbarer Keil zwischen die beiden Unionsparteien getrieben. Die CDU wird Seehofers Attacke auch als Angriff gegen sich und die nun als untätig gebrandmarkte Kanzlerin verstehen müssen. Seehofer hatte aus seiner Abneigung gegen Merkel und ihren Leipziger Parteitag nie einen Hehl gemacht.

Wie auch immer: Der erwartbare Ausfall der CSU hat einen großen Profiteur: Die FDP in Bayern und im Bund. Dort hatte man mit Sicherheit schon auf die nächsten ordnungspolitischen "Umfall" der CSU gewartet und nach vielleicht sogar schon an Seehofer gezweifelt. Wie schön für Guido Westerwelle, dass Seehofer auf seine ganz spezielle unfreiwillige Art ein verlässlicher Partner der Liberalen ist.